Alles heraus zum 1. Mai!

Heute wahr es mal wieder so weit. Alles heraus zum 1. Mai! Ich habe aber die Beteiligung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vermisst. Da muss noch Platz nach oben sein.

Bei den Veranstaltungen zum ersten Mai sind immer noch eine ganze Menge Menschen unterwegs. Insgesamt spiegeln sie nicht das wider, was den heutigen Arbeitsmarkt ausmacht. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind zunehmend im Niedriglohnsektor beschäftigt. Eurostat nimmt als Niedriglohn 2/3 des Durchschnittseinkommens an. In der EU gibt es nur noch in Estland, Polen, Litauen, Rumänien und Lettland mehr Menschen, die so wenig Geld verdienen. Deutschland ist auf Platz 21 von 26. Griechenland und Kroatien haben keine Daten geliefert.  Die Armutsgefährdungsquote liegt bei den jungen Beschäftigten bei 20,2 bei der Gruppe zwischen 18 und 25 sogar bei 25, wie das statistische Bundesamt unter Berufung auf Mikrozensus und OECD ermittelte. Natürlich geht es uns in Deutschland gut. Den meisten. Trotzdem besitzen laut DIW in Deutschland die reichsten 45 Personen soviel wie die ärmsten 50% der Bevölkerung. Ein deutliches Zeichen für eine ungerechte Vermögengensverteilung in Deutschland.

Sachgrundlos befristete Arbeitsverhältnisse machen eine Lebensplanung unmöglich. Das gleiche gilt für Leiharbeit, die aber auch dazu führen kann, die Stammbelegschaft zu verdrängen. Teilzeitverträge von denen die Menschen nicht mehr leben können, Scheinselbstständigkeit, die Liste lässt sich noch erweitern.

Löhne drücken, Arbeitszeit flexibilisieren? No Way!

Ein weiteres großes Problem ist natürlich die Tarifflucht der Unternehmen. Unternehmen treten aus dem Arbeitgeberverband aus, um dann im Anschluss Arbeitszeiten zu erhöhen und Löhne nicht mehr nach Tarif zu erhöhen. Durch neue Arbeitsverträge werden sie manchmal noch gesenkt. Seit 1996 sind die Betriebe mit einer Tarifbindung im Westen von 70% auf 51% gesunken, im Osten sogar von 59% auf nur noch 36%, wie das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung ermittelt hat und die Tagesthemen am gestrigen 30.04.2018 berichteten.

Entsolidarisierte Gesellschaft

Gleichzeitig waren die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch nie so endsolidarisiert, haben sich nie so wenig für einander eingesetzt. Und gleichzeitig haben sich die Gewinne der Unternehmen von den Löhnen abgekoppelt, die deutlich langsamer steigen.

Das ursprüngliche Versprechen bestand darin, dass alle von einer guten Wirtschaft profitieren, sich der Status der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch wirtschaftlich und sozial zum Positiven entwickelt. Dieses Versprechen scheint immer mehr aufgelöst. Viele Menschen nehmen aber keine positive Entwicklung für sich wahr, stattdessen fürchten den Menschen immer mehr nur noch um den Erhalt dessen, was sie sich bisher erarbeitet haben. Auch das Studium der Kinder scheint keinen Automatismus für eine gesicherte Zukunft mehr zu beinhalten, wie manche liberale immer noch behaupten. Stattdessen wechseln junge Akademikerinnen und Akademiker noch immer von einer Praktikumsstelle in die nächste. Wer aber durch die Auflösung des Versprechens auch wirtschaftlich und sozial die Gesellschaft auseinander driften lässt, verspielt den sozialen Frieden und mit diesem Frieden einen der wichtigsten Standortvorteile Deutschlands: Kaum irgendwo wird weniger gestreikt als bei uns – ob das langfristig so bleiben wird?

Eines muss doch klar sein: Nur wenn alle, denen es eben nicht so gut geht, sich organisieren, zusammenstehen und gemeinsam für bessere Bedingungen streiten, werden sie Gehör finden. Nur wenn alle zusammen sich sagen, “alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will”, dann wird das Versprechen oben erneuert. Nur dann kann es gelingen.

Darum: Alles heraus zum 1. Mai!

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